Der Zettel mit den paar Akkorden wurde von mir nach einer mit Freunden durchzechten Nacht unter einem Whiskyglas gefunden. Wer trank überhaupt dieses Zeug?

Mehrere Anwesende bezichtigten Erich Lentemain einen der trink-freudigsten Gäste, der Urheberschaft.

Der ebenfalls anwesende Lichtenberg gab zu verstehen, dass er ungeachtet der Aufführungsrechte diese kleine Folge von Akkorden konfisziere, um damit seine neuste Composition einzuleiten.

Er, Lichtenberg, so führte er weiter aus, sei es gleichgültig wer der Verfasser jener Zeilen sei, er, also Lichtenberg, gehe davon aus, das sich die Autorenschaft infolge überreichlichem Alkoholgenuss ohnedies nicht beweisen lässt. In dubio pro reo.

Weiterhin ließ uns Lichtenberg wissen, dass er sich

aufgrund einer ergebnislosen Diskussion mit einem gewissen Heinz Georg Kramm

genötigt sehe Erichs Harmonien zu einem umfassenderen Kunstwerk zu formen.

Gegenstand der fruchtlosen Auseinandersetzung mit jenem Kramm sei dessen unhaltbare Ansicht gewesen, alle musikalischen Qualitätserzeugnisse bedürfen einer sich steigernden Dynamik. Laut K. Sei Musik = Sex, auch jener begänne mit zarten Interaktionen, um schließlich orgiastisch mit Geschrei zu Ende geführt zu werden. Er, Lichtenberg, so führte er nun weiter aus, sehe sich jetzt genötigt den Gegenbeweis anzutreten. Von nun an werde er, Lichtenberg, nicht mehr ruhen, bis er eine Composition verfasst, die das Gegenteil von K´s widersinnigen Ansichten beweist.

So wurden jene, die den Ort der nächtlichen Zusammenkunft nicht bereits verlassen, stolze Zeugen der Erschaffung des Werkes „Psychopunk“ welches ohne Zweifel belegt, dass seine, Lichtenbergs These von der Möglichkeit einer sich stetig reduzierenden Dynamik vollumfänglich jenem entspricht, was wir gewöhnlich als Wahrheit bezeichnen.

So fügte er der zweifelsfrei zarten Akkordfolge Erichs, dessen geschätzte Anwesenheit so eine angemessene Würdigung erfährt, die eher brachialen und für Lichtenberg-Verhältnisse echt voll punkigen, gitarrenbetonten Zeilen hinzu.

Um nun K. zu zeigen wer der Meister ist, legt er, Lichtenberg, nach diesem Forte ein anmutiges träumerisches „subito piano“ nach, welches in seiner intuitiven Kraft die lauten Anfangstöne überflügelt.

„Augen zu!“ befiehlt Lichtenberg „und durch!“ so erleben wir eine traumhafte Klanglandschaft, die (nein!) nicht ausgeblendet wird, sondern „al niente“ zu Ende gespielt wird.