Lichtenbergs Musik

direkt miteinander kommunizierten, schaute ich mir immer an, was sie postete, nicht nur zum Thema Wein.

Je mehr ich von ihr las, um so sympathischer, anziehender wirkte Marie auf mich und ich war jedem der 700 Km dankbar, der mich von ihr trennte, denn mir war natürlich auch ihr Partner nicht entgangen, so aber schützte mich eine stattliche Distanz vor einer griechischen Tragödie.

 

Einige Zeit war vergangen, als auf besagter Wein-Seite einer der Administratoren eine seltsame Sache postete, die in mir die Frage aufkommen ließ, ob dieser Herr womöglich ein Rassist und Menschenhasser sei. Sein Beitrag war nicht offen rassistisch, aber er machte mich hellhörig. Ich stellte diesen Herrn Zwölflein zur Rede. Sehr schnell war klar, dass ich richtig vermutete und bald entstand eine Diskussion in diesem Chat, in der Herr Zwölflein sich angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Wein-Seite handele Nachfragen bezüglich seiner politischen Einstellung verbat. Marie klärte den Herren sehr eloquent darüber auf, dass Rassismus keine politische Einstellung, sondern ein Verbrechen sei. Nachdem sie auf seiner privaten Seite dann unkommentierte Fotos des verhinderten Kunstmalers aus Braunau am Inn gefunden hatte, ließ ich mich zu einer etwas pointierteren Aussage verleiten, worauf mich Herr Zwölflein mit Administratorenrecht der Seite verwies. Auch Marie, die ihre Finger weiter in die Wunde legte wurde dieses verschmerzbare Schicksal zuteil.

Eine Woche später meldete sich eine Kriminalkommissarin bei mir, da Herr Zwölflein mich wegen Beleidigung angezeigt hatte. Einen Hitler-Liebhaber als Reichspropagandaminister für Arme zu bezeichnen – das ging dann doch zu weit. Meinen Vorschlag an die Kommissarin, sie möge doch sinnvoller Verbrecher fangen ließ diese, mich auf die Schwere meines Vergehens aufmerksam machend, nicht gelten uns so bestand sie auf weitere Untersuchungen der Angelegenheit.

Natürlich war Marie die erste, der ich davon erzählte, beziehungsweise schrieb.

Trotz der Tatsache, dass wir beide von der Wein-Seite, die uns zusammenführte verbannt waren hielten wir weiterhin Kontakt, und einige Zeit später fragte sie mich nach meiner Adresse. Ich habe mir nichts dabei gedacht.

Drei Tage später klingelte der Postbote. Er hatte ein Paket. Beim entgegen nehmen merkte ich sofort es sind Flaschen darin. Wein? Ich schaute auf den Absender: Marie! Vorsichtig öffnete ich den Karton stelle die drei Flaschen vor mich auf den Tisch und schaue sie ungläubig an. Bei all dem Getippe blieb Marie doch immer virtuell, dieses unerwartete, reale Geschenk hat sie heraus geholt aus der Computerwelt, hat sie echt werden lassen.

Dennoch mache ich den Rechner jetzt an, klicke mich durch, bis auf ihr Bild. Ich schaute es lange an.

Ach Marie was sind schon 700 Km wenn man sich so nah ist?

Ich lernte Marie im Internet kennen, falls man das „kennen lernen“ nennen darf. Ja ich gebe zu, es war ihr Gesicht, das mir sofort auffiel, das mir gefiel, meinen Blick beherrschte. Auf dieser Seite, auf der Weinfreunde Informationen austauschten und sich bemühten dem jeweils anderen unglaubliche und unglaublichere Tröpfchen zu präsentieren, waren Frauen deutlich unterrepräsentiert. Marie, diese auffallend schöne Frau mit dem durchdringenden Blick kam mir wie das Wunder dieser Seite vor. Ich las, was sie schrieb und kam um so mehr ins staunen. Natürlich ist es Unfug, aber ihr Äußeres wollte für meinen Verstand so gar nicht zur Weinexpertin passen. Auch wenn ich nur Fotos sah, ihr Blick schien bis in meine Gedanken zu schauen, ihr Mund schien auch unbewegt etwas zu erzählen.

Nun begegnete ich ihr regelmäßig im Netz und ohne, dass wir