Lichtenbergs Musik

Zur siebenten Stunde betraten unsere Freunde das Festzelt und bestellten leicht bedrückt ob der dargebotenen Musik das erste jener berauschenden Getränke, welche hier massenweise aus riesigen Gläsern konsumiert wurden. Der Abteilungsleiter Gitarre stellte bereits nach kurzer Anwesenheit fest, dass eine am Nachbartisch sitzende Dame unzweifelhaft mehr seine Aufmerksamkeit verdiene, als die viel zu laut dargebotene Musik und erst Recht als das feilgebotene Essen, welches neben verbrannten Hühnern aus fettem Schweinefleisch und ähnlichen unangenehmen Dingen bestand. Jene Dame nun, ließ sich entlocken, dass ihr Name Katharina ist, und das sie im Nachbarort beheimatet sei. Bereits das zweite Getränk verzehrend entlockte unser Freund der blonden Schönheit ihre Vorlieben, die Musik betreffend und sicherte ihr vertrauensvoll zu, ganz präzise ihrer Meinung zu sein, wobei sich hier der Eindruck nicht vermeiden lässt, er habe wohl ein wenig geflunkert, um sich der Dame Zuneigung zu sichern.

Auch jene ließ sich das Bier gut schmecken und spürte die Wirkung bald. Zart legte sie ihren Arm um unseren Gitarristen, gab ihm einen feuchten Schmatz, auf die Wange erst, dann auf den Mund schon bald.

Niemand wird bestreiten, dass jene zarten Interaktionen nicht nur einem, sondern beiden große Lust bereiteten. Solch schöne Zweisamkeit, diese zärtliche Partie sollte niemand stören!

Aber, es kann die Beste und der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Ein Herr, genannt "Karl-Heinz" glaubte, dass er aufgrund des Rechts des Ortsansässigen, desjenigen, der unsere Katharina viel länger kennt und nicht zuletzt, da er der Biere bereits fünf genossen, bei selbiger Dame eindeutig Vortritt gegenüber dem Preußen haben muss, was er

mit einem kräftigen Fausthieb gegen jenen unterstrich. Dieser, das warme Blut, welches nun von seiner aufgeplatzten Augenbraue herablief spürend, überwand seine pazifistische Grundhaltung und schlug laut "für meine Katharina" rufend auf den Einheimischen zurück. Kurze Zeit später waren mindestens zwanzig, überwiegend mit Lederhosen bekleidete Herren an dem Handgemenge beteiligt.

Der zunächst am jenem Scharmützel teilhabende Lichtenberger nutzte einen Augenblick der allgemeinen Verwirrung, um mit seiner Angebeteten den Ort der Gewalt zu verlassen, und so konnte er mit geschwollenem Auge und unversorgter Platzwunde mit der schönen Dame einen engen Tango tanzen, um sie hernach nach Hause zu begleiten. Was sich dort zutrug, entzieht sich unserer Beobachtung.

Wir sind alle hoch erfreut, das typisch alpenländische Gitarrensolo in "Dorffest" zu hören, welches der Herr "Abteilungsleiter Gitarre" nach Abheilen seines Hämatoms, in seinen Gedanken ganz bei seiner Katharina verweilend, eingespielt hat.

 

Ein Prosit, ein Prosit, der Gemütlichkeit!

Nun begab es sich so, dass die Herren der Kapelle "Lichtenberg" sich auf Einladung des Neffen des Herrn "Abteilungsleiter Gitarre" höchstselbst, Ende September ins oberbayrische begaben. Hier an den Ufern der großen Seen genossen sie einige schöne Tage unter weiß-blauem Himmel goutierten die Würste, die den Zwölf-Uhr-Schlag nicht hören dürfen, samt süßem Mostrich und den dazugehörigen Bretzen, ohne ein Blondes, welches hier in bemerkenswert großen Gebinden serviert wird auszulassen.

Stefan gefiel es sichtlich seine Mitmusiker

auf dem gemieteten Segelboot zu begrüßen und mit ihnen auf dem Staffelsee ein wenig zu kreuzen. Heiko, eher ein Freund des festen Landes konnte den schaukelnden Bewegungen des Vehikels wenig abgewinnen und fütterte verzweifelt die Fische.

Am folgenden Abend war der gemeinsame Besuch eines Dorffestes geplant, auch der inzwischen überwiegend wieder hergestellte Abteilungsleiter Schlagwerk hat seine Teilnahme versichert.

Ein Prosit, ein Prosit, der Gemütlichkeit!